Meine ‚Ex’te

Noname Stratocaster-Kopie

…war meine Erste. Sie klang eigentlich sehr gut, nur leider war der Benutzer zu doof!

Zum Beispiel wunderte ich mich über die lockere Schraube am unteren Halsende. Dürfte eigentlich nicht passieren, daß eine Gitarre das Werk mit lockeren Schrauben verläßt, dachte ich, aber nun gut — ich zog sie also selber fest! Zu dumm, daß sie nicht mehr bespielbar war, nachdem ich somit den Halsspannstab auf Anschlag gedreht hatte. Dafür brachte ich wenigstens die Saitenreiter in eine schöne Linie (vorher standen die alle unterschiedlich weit vom Ende des Tremolos weg). Damit war die Oktavreinheit auch passé. 😉

Die Gitarren meiner Schulkameraden klangen zwar alle nicht besser, aber damit konnte man wenigstens vernünftig spielen. Die logische Konsequenz war, die Gitarre komplett auseinander zu nehmen, den "krummen" Hals zu verschenken und den Korpus für bessere Zeiten aufzubewahren... 😀

Ein Fahndungsfoto meiner Ersten.

B.C.Rich Warlock

Was macht man als Jugendlicher nicht alles für Unfug! Ich zum Beispiel traf im Session in Walldorf einen Mitschüler aus der Klassenstufe unter meiner, der sich gerade eine B.C. Rich Warlock in Prollaudiperlmuttweiß mit schwarzer Hardware kaufen wollte. Leider fehlte ihm das nötige Kleingeld und so fragte er nach der Möglichkeit, den Kaufpreis auf Raten abzustottern. Tatsächlich erklärte sich der Verkäufer bereit, sofern ein Bürge den Finanzierungsvertrag mit unterschriebe. Nun ja, da war ich wohl zur falschen Zeit am falschen Ort. Und außerdem zu vertrauensselig (wie immer). Ich unterschrieb also und der Schulkamerad machte sich mit der neuen Klampfe von dannen.

Ein paar Wochen später meldete sich der Laden und teilte mir mit, daß ich nun die Raten begleichen müßte, da mein Schulkamerad dies bisher nicht getan habe. Ich zahlte die Gitarre komplett und ließ sie mir von meinem Schulkameraden aushändigen. Nun war ich nun also Besitzer einer Metal-Traum-Gitarre (grins).

Wohl eher Alptraum. Stimmstabil geht anders, das Floyd-Rose-Tremolo war am rosten (freudlos dank Floyd-Rose), die Saiten schnarrten entweder oder waren 1 cm vom Griffbrett entfernt (bei korrekt eingestelltem Hals — ich hatte inzwischen dazugelernt...). Die Tonabnehmer taugten für die verschiedensten Klangfarben, solange diese Kreator, Slayer oder Anthrax hießen. Ganz abgesehen davon war ich schlicht zu blöd für das Top-Lock! Ich wechselte in den vier Wochen ständig Saiten, weil ich versuchte, die Gitarre an der Kopfplatte zu stimmen und erst beim Reißen der Saite wieder daran dachte, daß man das am Vibrato macht.

Ein Jahr später während der Lehrzeit tauschte ich die Gitarre mit einem Mitschüler der Berufsschule gegen eine Noname-80er-Poser-Superstrat mit unmöglicher Saitenlage in Pink. Diese schenkte ich wenige Wochen später einem Freund, der das Gitarrespiel erlernen wollte.

Epiphone Sheraton

O.k. Jeder macht mal Fehler. Ich fand halt damals, daß sie gut aussah. Inzwischen weiß ich es auch besser. Nämlich, daß semiakustische bzw. semi-hollow Gitarren die Nachteile von Solibodys mit den Nachteilen von akustischen Gitarren verbinden, ohne nennenswerte Vorteile auf der Habenseite verbuchen zu können.

Daß unter dem Label Epiphone der Schrott verkauft wird, dessen Verarbeitungsqualität, so unglaublich es klingen mag, sogar noch minderwertiger ist, als die von der Mutterfirma Gibson, wußte ich zum damaligen Zeitpunkt auch noch nicht. Die goldfarbene Hardware korrodierte jedenfalls schon beim Ansehen, Kontakt mit Hautschweiß hatte geradezu verheerende Konsequenzen. Die Bünde waren nicht abgerichtet, teilweise platt und ungleich hoch, die Saiten schnarrten und schepperten. Die Stimmung war nach wenigen Anschlägen dahin, speziell bei der g-Saite. Es war also alles in allem eine schöne aber völlig unbrauchbare Gitarre.

Während ich diese Zeilen schreibe, fällt mir auf, daß ich nicht den Hauch einer Ahnung habe, was mit der Gitarre passiert ist. Hab ich sie verkauft? Verschenkt? In Zahlung gegeben? Ich weiß es wirklich nicht mehr. Muß ich wohl verdrängt haben.

Fassen wir doch meine gitarristischen Anfänge mal zusammen: Drei Gitarren, drei mal schiefgegangen. Wenn das keine Motivation ist, weiterzumachen...

Da ich selbst scheinbar kein gutes Händchen für Gitarren hatte, orientierte ich mich an meinem damaligen Gitarrenlehrer Timo Groß — ein eingefleischter Strat-Spieler:

Fender (USA) Stratocaster 40th Anniversary

Ich hatte bereits einige Zeit Unterricht bei Timo Groß genommen, als ich mich entschloß, mir eine Fender zu kaufen. Ich hatte mich noch nicht entschieden, ob Telecaster, Stratocaster oder ein anderes Fender-Modell. Wichtig war mir die Mensur und der Griffbrettradius, da ich zu dem Zeitpunkt mit den Fender-typischen Eckdaten wohl am besten zurechtkam.

Im örtlichen Musikalienhandel ließ man mich einige Modelle ausprobieren, wobei ich recht schnell ein Auge auf eine Strat in Petrolgrünmetallic geworfen hatte. Der Verkäufer war entweder sehr unerfahren oder einfach nur ehrlich, denn noch bevor ich überhaupt nach dem Preis fragte, entschuldigte er sich schon für die Farbe. Sie hätten das Modell zum Firmenjubiläum von Fender bestellt und in der falschen Farbe bekommen und seither sei es der Ladenhüter weil keiner eine Strat in Petrolgrün haben wollte. Nun — mir gefiel die Farbe sehr gut und das sagte ich dem Verkäufer auch. Trotzdem, oder vielleicht auch genau deshalb weil ich genauso ehrlich war wie er, bot er mir einen ordentlichen Preisnachlass wegen der Farbe an und so bekam ich eine USA-Strat für knapp 1200,— DM (statt der damals üblichen etwa 1600,— DM).

Knöpfe und Pickup-Kappen wurden durch schwarze ersetzt und der Stegpickup durch einen Humbucker in Single-Coil-Format. Der Gitarrenbauer, welcher diesen einbaute, verkaufte ihn mir als "Seymour Duncan Cool Rail", nicht ohne mir ungefragt seine ablehnende Haltung gegenüber Humbuckern in Stratocastern kundzutun. Und auch nicht ohne mir beim Umbau das Griffbrett ordentlich zu verkratzen.

Der Kommentar zur Gitarre selbst fällt sehr kurz aus: Eine Offenbarung!

Zum ersten Mal fühlte ich mich mit einer Gitarre rundum wohl. Sie war sehr bequem zu spielen; Leo Fender hatte wohl nicht nur aus optischen Gründen der Strat ihr typisches Bodyshaping verpaßt. Die Verarbeitung war auch akzeptabel. Ich schreibe absichtlich akzeptabel, denn wie bei amerikanischen Produkten nicht ungewöhnlich, wurde es auch bei dieser Strat mit den Toleranzen und Spaltmaßen nicht so genau genommen. Die Lackierung war nicht perfekt, die Tuner saßen teilweise schief. Inzwischen habe ich ähnliches bei etlichen USA-Strats gesehen.

Auf jeden Fall ein sehr brauchbares wohlklingendes Instrument. Ich verkaufte es viel zu billig.

Fahndungsfoto diesmal ernst gemeint: Ich vermisse diese Gitarre und würde sie glatt zurückkaufen, wenn das möglich wäre.

Tokai Flying V

Bei dem schwarz-weißen fliegenden Vau kann ich es kurz machen: Ich kaufte sie, weil ich dieses Modell damals mit Heavy Metal assoziierte. Ich war und bin eben ein Accept-Fan.

Obwohl Tokai draufstand hatte sie eine gute Verarbeitungsqualität. Der Klang war auch sehr authentisch. Allerdings spielte ich damals stehend nicht so gut wie sitzend (inzwischen ist das umgekehrt). Und eine V auf dem Schoß zu balancieren ist sehr unkomfortabel. Ich sah schnell ein, daß eine Gitarre für meine Zwecke mehr praktisch als schön sein muß. Ich hab' sie nach kurzer Zeit ohne großen Verlust wieder verkauft.

Fender (Mexico) Telecaster Sondermodelldings (keine Ahnung, wie das Modell heißt)

Zu der schreib ich später was…

Noch ein ernstgemeintes "Wanted"-Bild: Diese Gitarre hat mich irreversibel zum Telecaster-Fan gemacht.

Fat Strat

Bei Conrad Electronic in Mannheim kaufte ich eine, wegen eines Defekts im Preis reduzierte Eleca-Strat. Nach der Reparatur war noch ein wenig "pimp my guitar" fällig.

Herausgekommen ist eine halbwegs annehmbare Fat Strat mit einem billigen Noname-Humbucker in der Stegposition. Die beiden Singlecoils klingen für eine Gitarre dieser Preislage überraschend gut, also blieben sie drin. Der Humbucker ist wohl anders gewickelt oder gepolt als der mittlere Einspuler, weshalb in der Zwischenposition der berüchtigte Out-of-Phase-Sound entsteht. Das war zwar nicht geplant, ist mir aber willkommen. Schließlich kann ich so auch mal ein Brian May-Solo nachspielen. Und mit einem Humbucker am Steg braucht man diese Zwischenposition sonst eh nie. Das ursprünglich weiße Pickguard habe ich durch ein schwarzes ersetzt. Jetzt stimmt auch die Optik.

Die Fat Strat ist auch in meiner Galerie in Guitarmaniacs zu bewundern.

Admira Sevilla

Irgendwo dazwischen gehört noch eine klassische Gitarre. Es war keine sonderlich wertvolle oder gute Gitarre, aber sie bedeutete mir sehr viel. Einerseits, weil sie ein Weihnachtsgeschenk meiner Eltern war und andererseits, weil sie mich durch meine Sturm- und Drangzeit begleitet hat.

Jaja, wenn Gitarren reden könnten...

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