Vom Radio- und Fernsehtechniker zum Gitarrenbauer

Nein, ich rede nicht von Leo Fender, sondern von mir beziehungsweise von dem Weg, den ich zurücklege. Im Moment befinde ich mich etwa auf halber Strecke. Den RF-Techniker habe ich sozusagen bereits hinter mir gelassen. Jetzt muß ich also nur noch Gitarrenbauer werden.

Hab' ich da jemanden lachen hören?

Wie auch immer, diesen Floh habe ich schon sehr lange im Ohr. Mal zwickt er mich stärker, mal gibt er etwas Ruhe aber ganz verschwunden ist er nie. Und darum geb' ich ihm jetzt nach.

Schon als Kind wollte ich zu Weihnachten so ein Instrument -- wie eine Geige, bloß ohne Säge! Meine musikalische Ausbildung verlief dann aber doch erstmal anders: Von einem kurzen Ausrutscher zur Klarinette mal abgesehen lernte ich fünf Jahre lang Geige und vier Jahre Klavier spielen. Dann kam endlich die erste E-Gitarre ins Haus.

Gleichzeitig mit dem Ende der Schulzeit kam ich mit meiner Frau zusammen. Die ursprünglich heimlich gewünschte Berufsausbildung zum Zupfinstrumentenmacher betrachtete ich daher als nachrangig und lernte Radio- und Fernsehtechniker. Acht Jahre später war das Verhältnis zu meinem despotischen Arbeitgeber so angespannt, daß ich um die Kündigung bat.

Auf der Musikmesse in Frankfurt sah ich im gleichen Jahr einen Gitarrenbauer, der sich auf die Herstellung mit ausgefallenen Schnitzereien verzierter Gitarrenkorpusse spezialisiert hatte. Der Wunsch, selbst beruflich mit Gitarrenbau zu tun zu haben, keimte wieder auf. Damals hatte ich jedoch weder meinen heutigen Wissensstand noch ein Internet, wo ich mich mit Gleichgesinnten hätte austauschen und informieren können, also war an einen Branchenwechsel nicht zu denken.

Stattdessen ließ ich mich als Mitarbeiter am Servicetresen eines großen Elektromarktes anstellen, wo ich fünf Jahre lang, teils unter unfaßbaren Arbeitsbedingungen arbeitete. Schließlich machte ich mich als Telefonbauer und Einzelhändler für Telekommunikationsartikel selbstständig.

Eher zufällig lernte ich während dieser Zeit über das Internet einen freundlichen Japaner kennen, der in den U.S.A. eine kleine Gitarrenbauschmiede betreibt: Katsumi Yajima. Ich wurde für etwa ein Jahr der Exklusivimporteur für seine Gitarren in Europa. Allerdings war die Nachfrage so gering, daß ich keine einzige Gitarre verkaufte. Ich hatte insgesamt nur 3 Anfragen in dem Jahr.

Dennoch war diese Bekanntschaft so etwas wie ein Wakeup-Call. Bis dahin war mir klar, daß eine Gitarre entweder Telecaster, Stratocaster oder Les Paul heißt oder eine Kopie dieser Gitarren ist. Mit der Tsubasa geht Yajimastringworks neue Wege im Gitarrenbau und das hat auch mich inspiriert.

Das einzige aber leider auch fatale Problem bestand darin, daß meine Existenzgründung jegliche Ersparnisse aufgebraucht hatte. Außerdem ging zu der Zeit der langgehegte aber mittlerweile fast abgeschriebene Kinderwunsch in Erfüllung. Und zwar gleich zweimal! 😉 Also brauchte ich wieder eine Festanstellung. Seither verkaufe ich in einer Filiale des größten Elektronikversenders in Europa unter anderem Gitarren.

Ich bin meinem Ziel also bereits ein stückweit näher gekommen.

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